Während die Wanderratte, Rattus norvegicus, in der Regel im Herbst aus ihrem natürlichen Biotop im Freiland in die Gebäude eindringt, ist die seltenere Hausratte (Dachratte), Rattus rattus, in Mitteleuropa ganzjährig an Gebäude gebunden. Ist der Lebensraum für die Wanderratte optimal, können sich in Gebäuden auch freilandunabhängige Populationen aufbauen.
Die Anwesenheit der genannten Nager in Gebäuden ist durch verschiedenartige Spuren ersichtlich:
- Fraß- und Nagespuren
- Kotpartikel, bzw. -plätze
- Trittsiegel
- Aktivitätsgeräusche
Wanderratten sind Allesfresser (omnivor) und daher sowohl an Vorräten pflanzlicher und tierischer Herkunft als auch an verarbeitenden Lebensmitteln schädlich. Durch das unvermeidbare Nagen (Nachschärfen der Nagezähne) an Baumaterial und Bedarfsgegenständen entsteht innerhalb von Gebäuden teilweise erheblicher Schaden. Die in Kunststoffummantelungen von Elektrokabeln verwendeten Weichmacher veranlassen die Nager auch hier tätig zu werden - mit der Gefahr von Kurzschlüssen im gesamten Gebäudeareal. Die Hausratte ernährt sich fast ausschließlich von Früchten, Sämereien und pflanzlichen Vorräten und stellt daher u.a. eher in der Lagerhaltung ein Problem dar.
Quelle: LAVES Niedersachsen
Die Hausratte
Die Hausratte, Rattus rattus, auch als "Schwarze Ratte, "Schiffs- oder Dachratte" bezeichnet, stammt ursprünglich aus Südost- und Südasien und wurde bereits in frühgeschichtlicher Zeit direkt aus Asien oder über den Umweg Nordafrika nach Europa eingeschleppt. Die erste Erwähnung von Hausratten in Mitteleuropa stammt aus dem 3. Jahrhundert n.Chr. Durch ihre enge Lebensgemeinschaft mit dem Menschen gilt sie als die "Pestratte" des Mittelalters. Überträger der Pest-Krankheit ist der Rattenfloh, Xenopsylla cheopis.
Bei uns in Deutschland hat der Hausrattenbestand nach 1945 kurzzeitig stark zugenommen, ist in den nächsten zwei Jahrzehnten allerdings wieder stark zurück gegangen so dass bereits 1960 die Hausratte im damaligen Westdeutschland weitgehend als ausgestorben galt. Nach neueren Erkenntnissen ist die Hausratte aus Deutschland aber nie ganz verschwunden. Aus Niedersachsen wurden aus den letzten 40 Jahren immer wieder lokale Vorkommen der Hausratte gemeldet und in den letzten Jahren scheint sie sich sogar wieder weiter ausgebreitet zu haben.
Aussehen:
Die Hausratte tritt in drei verschiedenen Grundfärbungen auf (schwarzgrau, wildfarben mit grauer Bauchseite und wildfarben mit weißer Bauchseite). Sie unterscheidet sich von der Wanderratte, Rattus norvegicus in folgenden wichtigen Merkmalen:
Der Schwanz überragt die Kopf-Rumpflänge um 5 bis über 50 mm. Er wird beim Laufen über dem Boden gehalten, so dass zwischen den Pfotenabdrücken keine Schwanz-Schleifspuren zu erkennen sind. Die Anzahl der Schwanzringe ist > 200, mit 32 Schwanzwirbeln. Die große unbehaarte Ohrmuschel bedeckt umgeschlagen das Auge. Die Schnauze ist spitz zulaufend. Erwachsene Hausratten sind allgemein deutlich kleiner und leichter als Wanderratten.
Weitere Eckdaten:
- Tragzeit: 20-24 Tage nach "Mohr"
- Wurfgröße: 1-12, durchschnittlich 8, in Ausnahmefällen 20 Junge
- Geburtsgewicht: 4-5 g, Junge öffnen nach 13 -16 Tagen ihre Augen und werden bis 22 Tage gesäugt
- Geschlechtsreife: mit ca. 2-3 Monaten nach "Grzimeks Enzyklopädie Säugetiere"
- Höchstalter: mehrere Jahre (4 bis 7)
- Fortpflanzung: ganzjährig, Hauptzeit (Freiland) März-Oktober, 2-6 Würfe/Saison
Lebensweise
Die Hauratte lebt in Nord-, West- und Mitteleuropa in Gebäuden, meist in den oberen Stockwerken und auf Dachböden (ursprünglicher Baumbewohner!). Hausratten klettern sehr gut und gerne, bei Gefahr flüchten sie nach oben. Die Wechseltreue ist stark ausgeprägt. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und leben in Rudeln von 20-60 Tieren. Die Rangordnung ist wahrscheinlich anders als bei der Wanderratte. Männchen halten sich als Einzelgänger oft abseits und die großen "Familien" sind wahrscheinlich Mutterfamilien. Ihre Nester werden mit Holzwolle, Textilresten, Papier und Stroh ausgepolstert. Hausratten legen im Allgemeinen nur selten Erdnester an.
Nahrung
Hausratten sind Allesfresser bevorzugen aber pflanzliche Nahrung. Ihrer natürlichen Nahrung kommen Früchte und ölhaltige Samen am nächsten. Sie können ihren Wasserbedarf alleine aus pflanzlicher Nahrung decken und sind auf offenes Wasser nicht so stark angewiesen. Hausratten legen Nahrungsvorräte an.
Bekämpfung
Die Hausratte gehört, wie die Wanderratte, zu den Gesundheitsschädlingen und ist daher nach Infektionsschutzgesetz zu bekämpfen. Darüber hinaus tritt sie als Vorrats- und Materialschädling in Erscheinung. Ihre außerordentliche Köderscheu sowie die Eigenheiten ihrer Lebens- und Ernährungsweise machen die erfolgreiche Bekämpfung der Hausratte selbst für einen Fachbetrieb zu einer großen Herausforderung. Als geeignete Ködergrundlage sollte das Material dienen, welches auch vor Ort von den Ratten als Nahrung angenommen wird. Als Ersatzköder werden Früchte oder gekochte Kartoffeln gerne angenommen. Gifttränken sind meistens wirkungslos, da sie kaum angenommen werden. Als Wirkstoff finden Antikoagulantien der 3. Generation Anwendung, die bereits nach einmaliger Aufnahme wirken. Wichtig ist eine gründliche Vorköderung mit unbegifteten Ködermaterial sowie das Aufstellen der Köderstationen entlang der Laufwege der Ratten, wobei der bevorzugte Aufenthalt der Tiere im Gebälk (Dachbodenbereich) und dem geringen Aktionsradius Rechnung getragen werden muss.
Quelle: LAVES Niedersachsen